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Wie wird man schneller Millionär mit Hebel ETFs?!

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Wenn wir in einen Hebel ETF investieren, erhöht sich unser Gewinn um das 2,3 oder X-fache. Je nach Hebel den wir wählen. Das klingt für viele Anleger attraktiv, hat aber auch entsprechende Risiken. Denn auch die Verluste multiplizieren sich. Wie du abwägen kannst, ob sich ein Hebel ETF für dich lohnt und wie du ihn in der Praxis in dein Portfolio holst, das will ich dir heute genauer erklären. 

Hebel ETFs und wo man sie findet

Hat ein Finanzprodukt einen Hebel, werden die Effekte um den jeweiligen Wert multipliziert. Ein Hebel ETF mit einem Wert von 2 verdoppelt also unsere Gewinne, ein Faktor von 3 verdreifacht sie usw. 

Bewegen sich die Kurse nach unten, müssen wir jedoch auch mit einem Verlust rechnen, der X-Mal höher ausfällt! Hebel ETFs sind also ideal, wenn sich der Markt so entwickelt, wie wir es erwarten und gefährlich, wenn er es nicht tut. Wir können dabei auch auf fallende Kurse setzen und Short-Varianten oder Inverse ETFs einkaufen. Der Effekt eines Hebel ETF bleibt dabei jedoch gleich. 

Wer sich für solche Hebel ETFs interessiert, kann sie ganz leicht über die Suchfunktion von Seiten wie extraetf.com oder justetf.com finden. Dort in der Suchfunktion den Begriff “Leverage” (Englisch für “Hebel”) eintippen und die Auswahl beginnt. 

Wie wird man schneller Millionär mit Hebel ETFs?!

Hier finden wir eine bunte Auswahl, die schnell an dem jeweiligen Faktor im Namen (“3x”, “2x” …) zu erkennen ist. Du kannst sie, wie jeden anderen ETF, regulär über deinen Broker in dein Depot holen. 

Natürlich wollen wir uns diese Hebel ETFs vor dem eventuellen Kauf aber erst einmal genau anschauen: 

Im Detail: So performen Hebel ETFs

Wir nehmen uns dazu als Beispiel einen Hebel ETF auf den DAX heraus, den “L&G DAX Daily 2x Long UCITS ETF”, der Gewinne des deutschen Aktienindex „DAX“ mit dem doppelten Ertrag belohnt (und Verluste mit dem doppelten Verlust). 

Auf der dazugehörigen JustETF-Seite sehen wir sofort, dass dieser Hebel ETF hohe Gebühren von 0,41 % pro Jahr und nur eine geringe Fondsgröße (29 Millionen Euro) aufweist. Gleichzeitig ist die Volatilität im roten Bereich – kein Wunder, dieser ETF ist ja auch gehebelt. 

Vergleichen wir nun den L&G DAX Daily 2x (Schwarz/Gelb) mit den Entwicklungen des regulären DAX (Blau) aus den letzten Monaten (Mai 2020- April 2021), sehen wir wie erwartet: der Hebel ETF hat doppelt so stark zugelegt wie der Index, nämlich ca. 90 % im Vergleich zu ca. 45 Prozent. 

Wie wird man schneller Millionär mit Hebel ETFs?!

Klasse, dann können wir mit solchen Hebel ETFs alle Gewinne verdoppel! So einfach ist es natürlich nicht. Blicken wir weiter in die Vergangenheit, sehen wir zum Beispiel, dass unser L&G DAX Daily 2x (Schwarz/Gelb) im November 2020 massiv eingebrochen ist, während der DAX (Blau) lediglich eine kleine Korrektur vornahm. 

Hebel ETFs performen also bei Kurseinbrüchen ebenfalls deutlich schlechter als der Index, den sie abbilden. Wer auf diese Produkte setzt, nimmt für höhere Gewinnaussichten auch deutlich höhere Risiken in Kauf. 

Ein Paradies für Risikofreudige Anleger?

Na gut, wenn Hebel ETFs so riskant sind, sollten die mutigen Anleger all ihr Geld in solche Produkte investieren! 

Auch das wäre zu einfach: die Hebel ETFs geben, sowohl was die Gewinne als auch die Verluste angeht, ein stark verzerrtes Bild wieder, dass sich nicht so einfach vorhersagen lässt. 

So kann die Rendite bei einem Hebel ETF mit dem Faktor 2 nach einigen Jahren tatsächlich doppelt so hoch ausfallen – aber auch ein noch höheres Wachstum oder eine schlechtere Performance als der Index sind möglich.

Wie wird man schneller Millionär mit Hebel ETFs?!

Hebel ETFs sind also nicht automatisch besser. In Kombination mit dem höheren Risiko macht das solche Produkte sogar extrem gefährlich. Insbesondere, wenn sich der Markt seitwärts bewegt, also weder dramatisch steigt noch fällt, versagen gehebelte Finanzinstrumente in der Regel. 

Hebel ETF und die Pfadabhängigkeit

Ob sich ein Hebel ETF lohnt, hängt in hohem Maße von der Bewegung des jeweiligen Indizes ab. Geht es nämlich mehrere Tage in Folge bergauf, verstärkt sich dieser Trend durch den Hebel gewaltig – sogar über den eigentlich versprochenen Faktor hinaus.

Bei einem Index wie dem S&P 500, der über die letzten Jahre einen nahezu linearen Verlauf nach oben nahm, führt dies zu gewaltigen Zuwächsen der Hebel ETFs aufgrund des Zinseszinseffekts! Wer also den US-Aktienindex in den letzten Jahren mit einem solchen ETF bespart hat, konnte massive Gewinne einstreichen. 

Bei langen Seitwärtsbewegungen, wie wir sie in den letzten Jahren zum Beispiel beim DAX gesehen haben, liefern Hebel ETFs hingegen negative Ergebnisse. Beim Deutschen Aktienindex waren die Anleger ohne Hebel also besser beraten. 

Dieser Zusammenhang zwischen der Rendite von Hebel ETFs und dem jeweiligen Tageskurs der ungehebelten Variante wird auch als Pfadabhängigkeit bezeichnet. Sie besagt, dass nach jedem Tag beim Hebel-ETF abgerechnet wird.

Wie wird man schneller Millionär mit Hebel ETFs?!

Jetzt nochmal die genauen Charakteristiken der Pfadabhängigkeit an zwei Beispielen:

  1. Ein Seitwärtstrend (Zick-Zack)
    Wir haben einen normalen Dax ETF und einen mit Hebel 2.Beide starten bei 100 Punkten. Während der normale Dax 10% Rendite macht, legt der um den Faktor 2 gehebelte Dax also um 20% zu. Der normale Dax steht also bei 110 Punkten und der gehebelte Dax bei 120 Punkten. Am zweiten Tag fällt der Dax um 9,1% und landet dadurch wieder bei 100 Punkten.
    Der gehebelte ETF fällt um 18,2% Prozent von 120 Punkten auf 98,16 Punkte. Also NICHT wie der normale Dax auf 100 Punkte.

    Wir sehen also wenn sich der Markt Seitwärts bewegt, dann versagt der Hebel ETF auf lange Sicht gnadenlos.
  2. Ein Aufwärtstrend (Schön gleichmäßig nach oben)
    Wenn wir jetzt aber einen anderen Fall haben und zwar der Index bewegt sich 3 Tage in Folge um 10% nach oben. Das berechnen wir mal bei der normalen Variante ausgehend von 100 Punkten zum Start. Der normale Dax steht nach 3 Tagen von jeweils 10% bei 133.1 Punkten. Der 2er Hebel Dax ETF steht nach 3 Tagen mit jeweils 20% bei 172.8 Punkten und nicht wie anzunehmen genau beim doppelten Zuwachs des normalen DAX (was 100 + 33.1×2 = 166.2 Punkt wären).

    Wir sehen also bei extremen Aufwärtstrends verstärkt sich der positive Effekt von Hebel ETFs.

Fazit: Wann sind Hebel ETFs geeignet?

Die Entwicklung eines Hebel ETFs ist besonders schwierig einzuschätzen und daher generell sehr riskant. Ist das Vorhaben allerdings erfolgreich, winken saftige Renditen. Hierzu muss der zugrundeliegende Index möglichst gleichmäßig ansteigen. 

Laufen die Kurse seitwärts, dann laufen Hebel ETFs schlecht und die Gewinne werden aufgefressen. Das macht solche Finanzprodukte besonders auf lange Sicht unberechenbar. Denn bei langen Seitwärtsphasen sind normale ETFs deutlich überlegen, sowohl beim Risiko als auch bei der Rendite. 

Ein Hebel ETF eignet sich also besonders dann, wenn du dir sicher bist, dass der Markt möglichst linear nach oben steigt. Dann kann er den Zinseszinseffekt des Aufwärtstrends voll ausschöpfen. Bei langen Seitwärtsbewegungen fahren Anleger hingegen mit einem ungehebelten Produkt besser. Und wenn die Kurse drastisch fallen, wird es mit einem Hebel ETF sogar richtig unangenehm… 

Ich persönlich betrachte Hebel ETFs generell nicht als langfristiges Investment, obwohl der S&P 500 in den letzten Jahren bewiesen hat, dass sich auch eine solche Anlage lohnen kann. Für kurzfristige Einkäufe (auf welche die meisten gehebelten ETFs ohnehin ausgerichtet sind), kann es sich zwar lohnen – ist dann aber eher etwas für Trader. Ich als langfristiger Investor habe also kein Interesse an Hebel ETFs, möchte sie aber nicht verteufeln. Da ich eine längere Seitwärtsbewegung der Märkte nicht ausschließen kann, lasse ich die Finger vom Hebel-ETF.

 

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