Warum ein hoher IQ beim Investieren versagt

Warum ein hoher IQ beim Investieren versagt

Investments haben selten bis niemals etwas mit dem IQ zu tun. Und dafür gibt es in der Vergangenheit zahlreiche prominente Beispiele. Wir schauen uns heute in diesem Artikel eines dieser Beispiele etwas genauer an und warum das eigentlich so ist.

Und die prominente Person, um die es geht, ist niemand geringeres als Isaac Newton. Einer der größten Denker unserer Geschichte und Koryphäe vor allem auf den Gebieten der Physik und Mathematik. 

Er gilt nicht nur als einer der bedeutendsten Wissenschaftler unserer Zeit, verschiedene Quellen schätzen seinen IQ irgendwo zwischen 160 und 190. Man sollte also meinen, so ein durchaus intelligenter Mensch sollte doch mit Investments und Zahlen umgehen können. Aber, weit gefehlt. Gerade hier hat Newton auf ganzer Linie versagt.

Gehen wir zurück ins Jahr 1711 nach London. Zu dieser Zeit wurde die South Sea Company gegründet. Dieses Unternehmen wurde gegründet, um finanziellen Problemen der britischen Regierung entgegenzusteuern. 

Die Schulden der britischen Regierung

Zur selben Zeit kämpfte das Militär Großbritanniens in den spanischen Erbfolgekriegen, was zu immensen Schulden bei Lieferanten sorgte, die das britische Militär belieferten. Um dieses Defizit also auszugleichen, bot die Regierung Großbritanniens Gläubigern Aktien der South Sea Company an. 

Diese versprach zwar keine volle Rückzahlung der Schulden, aber dafür regelmäßige Zinszahlungen. Das Unternehmen wiederum erhielt die Mittel für diese Zinszahlungen von der britischen Regierung. Die Company hatte das Monopol auf den britischen Handel mit der Westküste Amerikas und zu Teilen auch mit der Ostküste Südamerikas. Daher stammte der Name South Sea Company.

Investoren wurden mit dem Versprechen gelockt, dass die Gewinne aus dem Handel in der Südsee noch zusätzlich zu den Zinszahlungen dazu kommen. In den späten 1710er Jahren war die Company ein eher langweiliges Unternehmen, das die Zahlungen der Regierung einfach an seine Investoren weiterleitete.

Wie passt das mit Isaac Newton zusammen? Der besaß unter anderem Staatsanleihen und Beteiligungen an der Bank of England. Gleichzeitig stockte er seine Anteile am Südseeunternehmen auf. Er war ein früher Investor der South Sea Company.

Wirtschaftlicher Aufschwung in Friedenszeiten

Der Krieg endete irgendwann und die Wirtschaft erlebte einen Aufschwung in den Friedenszeiten, was zu Gewinnen in Newtons Investments führte. Dieser Aufschwung inspirierte die Company in den späten 1710er Jahren zu einer neuen Vision. 

Im Jahr 1720 verabschiedete die britische Regierung im Gegenzug für die Übernahme ihrer Staatsschulden die sogenannte South Sea Bill. Diese räumte der Company ein, weitere Aktien zur eigenen Finanzierung herauszugeben. Im Gegenzug übernahm das Unternehmen die Staatsschulden und erhielt von der Regierung einen jährlichen Zins von 6 % dafür. 

Die Spekulationsblase

Mit diesem Geschäft wurde die Spekulationsblase ins Leben gerufen. Anleger waren fasziniert von der Idee des kompletten Handel-Monopols der South Sea Company mit Südamerika und den zusätzlichen staatlichen Zinsen durch die Schuldenübernahme. 

Der Kurs der Südsee Aktie stieg im Sommer 1720 steil an und brach dann im September sturzflugartig ein. Investoren erkannten scheinbar, dass ihre Gewinnerwartungen unrealistisch waren. Im Oktober 1720 war die Aktie weniger als ein Viertel ihres Höchstpreises wert.

Im Jahr 1720 war Isaac Newton fast 80 Jahre alt und gehörte zu den reichsten 1 Prozent der britischen Bevölkerung. Sein Nettovermögen belief sich auf etwa 30.000 Pfund. Das entspricht umgerechnet auf die heutige Zeit etwa 30 Millionen Euro. Und genau an diesem Punkt machte Newton finanzielle Entscheidungen, die ihn beinahe in den Ruin trieben. 

Isaac Newtons finanzieller Ruin

Als der Kurs bei ungefähr 400 Pfund lag, verkaufte Newton seine Anteile an der South Sea Company. Etwas später entschied er sich als einer von mehreren Testamentsvollstreckern seines Freundes Thomas Hall, wieder in das Unternehmen einzusteigen. Als der Kurs Höchststände von 800 bis 1000 Pfund erreichte, kaufte Isaac Newton weitere Anteile für sich selbst.

Dabei setzte er nahezu sein komplettes Vermögen ein und liquidierte dafür andere Wertpapiere. Später, als die Aktie fiel, kaufte er für den Nachlass seines Freundes Thomas Hall weitere Aktien der South Side Company nach. 

Die Aktie fiel aber von knapp 1000 Pfund auf etwas über 200 Pfund und sorgte für riesige Verluste. Newton war zu Beginn sehr skeptisch gegenüber der Company. Insbesondere gegenüber der Idee, die kompletten britischen Staatsschulden aufzunehmen. Nachdem er alle seine Anteile verkauft hatte, wurde er wohl durch die Angst, etwas zu verpassen, wieder in die Aktie hineingetrieben.

Das zeigt: Selbst hochintelligente Menschen wie Isaac Newton sind nicht von dieser Angst ausgeschlossen. Es ist sogar möglich, genau zu sehen, wie irrational Newton und seine Zeitgenossen im Jahr 1720 wurden. Da sich die Briten damals im Krieg der Quadrupelallianz gegen Spanien befanden, war das südamerikanische Handelsmonopol der Company im Grunde wertlos. Ihre gesamten Einnahmen stammten aus den festen Zinszahlungen, die sie aus dem Halten von britischen Staatsanleihen erhalten sollten.

In kurzer Zeit wurde Newton von einem umsichtigen Investor zu einem Spekulanten. Er setzte sein ganzes Kapital auf eine einzige Aktie und jagte den Renditen verzweifelt hinter. Fast schon, wie Bitcoin und Krypto-Käufer heutzutage.

Es ist also ein sehr altes Phänomen, dass Menschen sich nicht immer rational verhalten. Sie lassen sich stattdessen auf unerklärliche Weise von Angst und Gier leiten. Dabei hat es nichts mit der Intelligenz zu tun. Vielmehr hängt es damit zusammen, die eigenen Emotionen kontrollieren zu können.

Dieses Phänomen und viele weitere Parallelen sieht man aktuell auf dem Kryptomarkt. Immer wieder stecken Menschen ihr gesamtes Erspartes in Kryptowährungen, obwohl es unberechenbar ist, ob sich Kryptowährung in der Zukunft auch wirklich durchsetzen werden.

Fazit: Viel im Kopf bedeutet nicht viel auf dem Konto

Solche Beispiele wie das von Isaac Newton zeigen uns, dass die Intelligenz von Emotionen übermannt werden können. Das predigte schon Benjamin Graham. Das Vorbild des erfolgreichsten Investors unserer Zeit, Warren Buffett. 

Er beruft sich auf die Idee, dass der Charakter beim Investieren genauso viel oder mehr zählt als die Intelligenz. Er schreibt: „Das Hauptproblem des Investors, und sogar sein schlimmster Feind ist wahrscheinlich er selbst.“ 

 

Diese Beiträge könnten Dich interessieren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.