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MSCI World = mit voller WUCHT in jede Blase!

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Wer den MSCI World bespart, kann sich entspannt zurücklehnen und seinem Vermögen beim Wachstum zusehen. So lautet der gängige Tenor unter vielen Experten. Ein bekannter Fachmann für Geldanlage sieht den berühmtesten ETF jedoch deutlich kritischer. Er ist riskanter, als viele Anleger glauben!

Heute wollen wir anhand eines Interviews von Dr. Andreas Beck genau beleuchten, was beim MSCI World alles schieflaufen kann. Zudem gehen wir auf 5 Regeln ein, mit denen wir unsere ETF-Anlage verbessern und Probleme vermeiden. 

Dr. Andreas Beck ist Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau und als solcher ein Experte, wenn es um Aktien, ETFs und die Börse geht. Dies bewies er unter anderem 2020. Als er die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Börse und den schnellen Aufschwung im Anschluss prognostizierte (vielleicht mit etwas Glück). Er zog die richtigen Schlüsse für seinen Fonds und konnte somit negative Erfahrungen für viele Anleger vermeiden. Das Spannende, sein Fonds agiert nach klaren Regeln und ist somit von menschlichen Emotionen befreit.

Das Investieren in den MSCI World wird von Massen von Anlegern genutzt, um unkompliziert auf weltweit tausende Unternehmen zu setzen. Es ist jedoch nicht immer ideal, mit dem Strom zu schwimmen. Im Folgenden gehen wir auf fünf Kernaussagen von Andreas Beck ein. Darin erfahren wir unteranderem, warum der MSCI World ein höheres Risiko für das eigene Depot darstellt, als Viele glauben. 

1. Der Finanzmarkt ist ein Nullsummenspiel (relativ zur Marktrendite)

Die Marktrendite bildet die Rendite ab, die alle Unternehmen gemeinsam erwirtschaftet haben. Der MSCI World mit seinen tausenden von Aktien stellt diesen Wert sehr gut dar: etwa 7 % beträgt der jährliche Zugewinn der Märkte im Durchschnitt.  

Daraus ergibt sich jedoch, dass einige Aktien und die Fonds, die in diese investieren, höhere Ergebnisse erzielen. Anderem widerum liefern schlechtere Ergebnisse ab. Alle Über- und Unterrenditen zusammengenommen ergeben die Marktrendite. Es handelt sich also um ein Nullsummenspiel – relativ zur Marktrendite. 

Es ist also möglich, zum Beispiel durch den aktiven Handel oder ein Investment in einen Fonds, den Markt zu schlagen und besser zu performen. Ebenso kann ich jedoch Gefahr laufen, schlechter abzuschneiden, wenn meine Aktien nicht so gut abschneiden wie erwartet. 

Für alle Transaktionen und Finanzprodukte werden jedoch Kosten fällig, die vor allem bei aktiv gemanagten Fonds gewaltig sein können. Eine komplette Industrie ist dabei entstanden, deren Ziel es ist, durch möglichst komplexe Produkte an jeder Transaktion eines Anlegers zu verdienen. 

Da es sich jedoch letztlich um ein Nullsummenspiel handelt, werden die Anleger hier stark belastet. Es sei denn sie setzen auf kostengünstige Indexfonds bzw. ETFs. Wer eine hohe Anzahl an Wertpapiergeschäften ausführt oder in Fonds mit hohen jährlichen Gebühren und Ausgabeaufschlägen investiert, ist ein idealer Kunde für die Finanzindustrie. Dieser Kunde leidet aber in den meisten Fällen unter den hohen Kosten, ohne davon unbedingt einen Vorteil zu haben. Wenn 50% der Fonds den Markt schlagen und 50% schlechter als der Markt abschneiden, dann haben wir das Nullsummenspiel. Wenn jetzt aber zu den 50% der Fonds die den Markt schlagen noch Kosten hinzukommen, dann schlagen prozentual gesehen noch weniger Fonds den Markt.

Eine Industrie dreht sich im Kreis

Laut Andreas Beck gibt es etwa 8.000 Unternehmen, deren Aktien an der Börse liquide gehandelt werden können. Dem stehen jedoch 122.000 (!) offene Investmentfonds gegenüber. Diese wollen in der Regel den Markt schlagen, also mehr Rendite erzielen als der Durchschnitt, der vom Aktienmarkt erzielt wird. Wenn wir hier den MSCI World als Beispiel nehmen sind das im Durchschnitt ca. 7% pro Jahr die es zu schlagen gilt. 

Während einige wenige davon dieses Meisterstück vollbringen, scheitert der Großteil der Investmentfonds. Zusätzlich gibt es eine unüberschaubar große Anzahl von Zertifikaten und Derivaten, die auf Kursveränderungen dieser kleinen Gruppe von 8.000 Aktien wetten. Letztlich stützt sich eine riesige Industrie von Finanzprodukten auf einen sehr kleinen Pool an Unternehmen.

In seinem E-Book “Erfolgreich wissenschaftlich investieren” beschreibt Dr. Andreas Beck das ganze sehr Eindrucksvoll: “Eine riesige Industrie ist entstanden, ohne, dass die reale Welt dadurch größer oder schöner geworden wäre.”

2. Einzelaktien sind Wetten und werden immer unsicherer

Kaufe ich eine Aktie, um Kursgewinne zu nutzen, schließe ich eine Wette ab. Sie lautet: Der aktuelle Börsenkurs des Unternehmens ist zu niedrig und das Unternehmen tatsächlich deutlich wertvoller. Daher sollte der Kurs in Zukunft steigen. 

Gehen wir diese Wette ein, dann nehmen wir an, ein derart unterbewertetes Unternehmen gefunden zu haben. Tatsächlich ist jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass gerade uns dieser Coup gelungen ist, sehr gering: Tausende Mathematiker, Statistiker, Wirtschaftsinformatiker und andere kluge Köpfe beobachten und analysieren rund um die Uhr den Markt. Sie alle haben ein Ziel. Den Markt akkurat Einschätzen und Fehlbewertungen entdecken, um Profite zu machen. 

Wurde eine solche Unterbewertung erkannt, wird blitzschnell investiert – die Bewertung der Aktie passt sich dadurch an und pendelt sich wieder im passenden Bereich ein. Die Chance, die Arbeit professioneller Analysten zu überbieten und in unterbewertete Firmen zu investieren, ist verschwindend gering. So die Aussagen von Andreas Beck. Ich persönlich glaube auch an die Effizienz der Märkte, nur nicht immer und überall. Gerade bei kleineren Unternehmen, Aktien aus China oder während Phasen der Panik sehe ich, dass diese Effizienz der Märkte ausgehebelt wird. Im meinem Blogartikel zu Peter Lynch sind diese Fehlbewertungen das Thema, also schau gerne rein!

Unsichere Einzelaktien stabilisieren die Weltwirtschaft

Die durchschnittliche Lebensdauer eines Unternehmens im amerikanischen Aktienindex S&P 500 beträgt nach Andreas Beck nur 9 Jahre. Wer also in Aktien investiert, sieht sich immer einem erheblichen Risiko ausgesetzt, da Firmen überraschend schnell wieder von der Bildfläche verschwinden können.

Durch die stetig steigende Innovationsgeschwindigkeit nimmt die Lebenserwartung von Unternehmen und ihren Produkten immer weiter ab. Dabei handelt es sich nicht um ein strukturelles Problem, sondern um einen Vorteil: Die Weltwirtschaft wird durch dieses steigende Risiko von Einzelaktien immer stabiler!

Denn während das geschäftliche Umfeld für Firmen durch dieses erhöhte Innovationstempo immer riskanter wird, entsteht eine insgesamt effizientere Wirtschaft mit neuen Gewinnchancen. Die Folge ist eine kürzere Lebenserwartung für Unternehmen, aber eine robuster werdende Weltwirtschaft. 

Laut Andreas Beck sollte ein Aktienportfolio daher idealerweise die Gewinne der Weltwirtschaft abbilden. Denn nur dadurch wird dieser Effekt des „immer stabiler werdens“ ausgenutzt. Beck bezeichnet dies als “Ultrastabilität”. Um das zu schaffen, ist es ratsam, das eigene Investment NICHT nach dem Börsenwert der Unternehmen zu gewichten. So macht es nämlich der MSCI World – er gewichtet die Unternehmen im Index nach deren Börsenwert. Vielmehr sollte die Gewichtung nach den Gewinnen der einzelnen Unternehmen vorgenommen werden. 

3. Langfristig sicher durch die “Welt-AG”

Wer auf eine möglichst breite Streuung setzt und idealerweise fast alle Unternehmen an den Aktienmärkten im Portfolio hat, der setzt auf die sogenannte “Welt-AG”. Mit ihr ist man langfristig auf der sicheren Seite. Denn diese ist ausfallsicher und langfristig profitabel: Sogar in Krisenzeiten, wenn einzelne Unternehmen pleitegehen und ganze Branchen schwächeln, gibt es Gewinner, die diese Effekte wieder ausgleichen.

Wer auf eine so breite Streuung setzt, muss sich auch während eines Crashs nicht davor fürchten, den Anschluss zu verlieren. Das Risiko von Einzelaktien, die eine reale und wachsende Ausfall-Gefahr haben, wird dadurch kompensiert. 

Kommt es dann zur Krise, können Anleger der Welt-AG entspannt bleiben, denn sie vertrauen darauf, dass es im Anschluss bergauf geht – so, wie es schon immer der Fall war. Zusätzlich profitieren sie von der Tatsache, dass ein Crash mit einem solchen Portfolio für die eigenen Finanzen deutlich milder ausfällt. 

Denn in schwierigen Zeiten fordern Investoren für ihr Kapital mehr Rendite und mehr Sicherheit. Sie setzen Unternehmen damit unter Zugzwang. Wer diese Anforderungen erfüllen kann, geht gestärkt aus einer Krise hervor; wer dem nicht nachkommen kann, geht hingegen pleite. 

Ein gutes Beispiel für diese Mechanismen ist die Leistung von Daimler während der Pandemie 2020: Obwohl weniger Fahrzeuge verkauft wurden, konnte der Gewinn gesteigert werden. Grund war eine Senkung der Kosten durch Optimierungen und Einsparungen. Dieser Druck wäre ohne die Krise nicht zustande gekommen. 

4. Der MSCI World ist zu wenig für ein stabiles Aktienportfolio

Das “World” im MSCI World ist leider nicht wörtlich zu nehmen: Er investiert nur in Aktien aus Industrienationen und ist damit recht schmal aufgestellt. Unter den Aktien des ETF finden sich außerdem hauptsächlich große Titel, während kleinere Unternehmen aufgrund der Gewichtung kaum vertreten sind. 

Der MSCI World gewichtet die Unternehmen anhand der Marktkapitalisierung, also dem Börsenwert des jeweiligen Unternehmens. Eine Folge dieses Vorgehens ist eine Tendenz zur Blasenbildung und damit verbundenen Risiken.

Diese Gefahr zeigte sich besonders eindrucksvoll im Jahr 1989. Damals sorgten die wirtschaftlichen Leistungen Japans dafür, dass das Land mit 50% im MSCI World vertreten war. Zudem gab es eine überschwängliche Euphorie bei japanischen Aktien, die zu einer Blasenbildung führte. Mit der japanischen Bankenkrise und einem gewaltigen Crash spürten Anleger jedoch die Nachteile einer solchen Gewichtung nach Marktkapitalisierung. 

Selbst heute, 32 Jahre nach dem Ereignis, konnte der japanische Index Nikkei noch immer nicht den damaligen Höchststand erreichen. 16,5 % verlor der MSCI World 1989 und brachte den Investoren herbe Verluste ein. 

Wiederholt sich das Unglück?

Auch heute ist eine Nation besonders stark im MSCI World vertreten: Die USA machen 66 % der gesamten Aktien des Index aus. Anders als zur japanischen Bankenkrise sind die Firmen aus den Vereinigten Staaten allerdings weniger überbewertet und somit die Gefahr einer Blasenbildung gering. 

Denn die US-Unternehmen erzeugen die entsprechenden Gewinne, um ihre hohe Bewertung zu untermauern. Das Problem: dies kann sich jederzeit ändern und die Bildung der nächsten Blase kann beginnen. Wer auf den MSCI World setzt, würde dann genau auf diese Bubble zusteuern. 

Viele Anleger greifen daher zu alternativen Produkten wie dem FTSE All-World ETF, der zusätzlich Schwellenländer mit knapp 10 % beinhaltet und dadurch schon etwas besser gestreut ist. Leider sind hier kleine Unternehmen (die starke Innovationstreiber sind) nicht vertreten, sodass Anleger einiges an Rendite verlieren. 

Denn solche “Small Caps” erzeugen nachweislich höhere Renditen als die Aktien großer Unternehmen. Wir sehen diesen Zusammenhang sehr gut bei einem Blick auf den Unterschied zwischen Large und Small Caps in den USA: 

Um diesen Umstand ideal zu nutzen, empfiehlt Andreas Beck, etwa 85 Prozent des eigenen Portfolios in einen MSCI All Country World Index zu investieren. Die übrigen 15 % sollten in einen weltweiten Small Cap ETF, wie etwa den MSCI World Small Cap, angelegt werden. 

Der Anleger erreicht damit eine Abdeckung von ca. 5.000 Unternehmen und ist auch an den erheblichen Renditen kleiner Firmen beteiligt. Wer zusätzlich noch auf thesaurierende ETF setzt (hier werden Dividenden direkt wieder reinvestiert), kann so eine zuverlässige und lukrative Altersvorsorge aufbauen. 

5. Antizyklisch handeln und umschichten

Eine Vielzahl von Fehlentscheidungen werden getroffen, weil Anleger durch eine Krisensituation in Panik geraten. Dazu zählt etwa der Kauf überteuerter Garantieprodukte, das völlige Vermeiden von Investitionen oder das panische Verkaufen von Wertpapieren zu Tiefstkursen.

Wer hingegen den Tipps von Andreas Beck folgt, würde in normalen, nicht-Krisen-Zeiten 20 % seines Kapitals in Reserve halten und den Rest in die Welt-AG investieren. Kommt es zu einem Crash, wird das zurückgehaltene Geld nach und nach in die nun günstigen Aktien angelegt. 

Die empfohlene Regel ist hierbei: Fällt der Aktienmarkt mehr als 30 % zu seinem Drei-Jahres-Hoch, werden die ersten 10 % investiert, sofern die Volatilität des Marktes und die Prämie für Risikoanleihen gleichzeitig steigen. Sollte der Markt daraufhin um weitere 25 % sinken, werden auch die letzten 10 % der Reserve eingesetzt. Erholt sich der Aktienmarkt im Anschluss, werden die Cash-Bestände wieder entsprechend aufgebaut. 

Mit seinem “Global Portfolio One” Fonds hat Andreas Beck diese Regeln während der Pandemie-Krise 2020 erfolgreich umgesetzt: Hier wurde sehr nahe am absoluten Tiefstand der Märkte (am 20. März) 10 % in Aktien umgeschichtet. Am 03. Juli, als sich die Märkte wieder erholt hatten, wurde die Wertpapierquote wieder reduziert. Mit dieser antizyklischen Strategie profitieren Anleger stärker von Krisen und haben gleichzeitig geringere Einbrüche im Portfolio.

Fazit: Besser als nur der MSCI World

Andreas Beck gibt mit seinem Konzept der „Ultrastabilität“ eine Richtung vor, die verlässlicher und gewinnbringender ist, als das stumpfe Investieren in den MSCI World.

Denn obwohl dieser Index stets als ein “Investieren in die Weltwirtschaft” angepriesen wird, deckt er in Wirklichkeit nur die Industrienationen ab. Er ist damit sicherlich eine solide Wahl, tendiert jedoch dazu, besonders anfällig für die Bildung von Blasen zu sein. 

Dies mussten Anleger immer wieder spüren: Der japanische Bankencrash im Jahre 1989 sticht dabei besonders hervor. Solche Entwicklungen der Weltmärkte lassen sich leider nie ganz vermeiden. Kurseinbrüche in Krisenzeiten sind ein Teil der Börse. Die Krise sorgt dafür, dass die gesamte „Welt-AG“ gestärkt aus eben dieser Krise hervorgeht. 

Wir Anleger können diese schlechten Zeiten besser überstehen und sogar Profit aus ihnen ziehen, wenn wir in die Welt-AG investieren. Das heißt, breiter aufstellen als der MSCI World. Halten wir zusätzlich noch Cash-Reserven für den Krisenfall bereit, können wir die Performance der Weltmärkte übertreffen. 

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