Kannst du mit 1.000.000 Euro in Rente gehen?

Kannst du mit 1.000.000 Euro in Rente gehen?

Bei Aktionären stellt sich immer wieder die Frage, ab welcher Summe man in Rente gehen oder den Job kündigen kann, um seiner Leidenschaft nachzugehen. Vielen ist dabei die Summe von 1.000.000 Euro im Kopf hängengeblieben. Diese Summe hat sich durchgesetzt durch beispielsweise TV-Shows wie „Wer wird Millionär?“ oder durch die Tatsache, dass reiche Menschen als „Millionäre“ bezeichnet werden. Doch reicht eine Million wirklich aus, um davon zu leben?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Durch die Inflation verändert sich die Kaufkraft des Geldes über Jahrzehnte drastisch.
  • Eine Rechenregel hilft einzuschätzen, wie viel man in der Rente abheben darf, ohne Geld zu verlieren.
  • Persönliche Faktoren wie Lifestyle oder Lebenshaltungskosten beeinflussen die Höhe der Rente.

So viel war 1 Million früher wert

In den 1960ern galt eine Person mit 1.000.000 Dollar als reich. Diese Summe war das Symbol des ultimativen Reichtums. Jedoch ist zu beachten, dass die eigentliche Kaufkraft sich in den Jahren seit 1960 bis heute stark verändert hat. Um eine ähnlich hohe Kaufkraft zu erzielen wie bei 1 Million Dollar früher, müsste man heute bereits 10.000.000 Dollar besitzen. 

Gut zu wisssen:

Im Jahr 2019 gab es 1,466 Millionen Millionäre in Deutschland. Dabei wurden diejenigen als Millionäre bezeichnet, die ein investierbares Vermögen von einer Million US-Dollar hatten. Zwar gehören Millionäre in Deutschland zu einer Minderheit, trotzdem ist umgerechnet eine Person aus 57 Personen ein Millionär.

1. Problem: Wieso die Inflation dein Geld entwertet

Verantwortlich für die Entwertung des Geldes ist die Inflation. In der Wirtschaft eines Landes kommt es innerhalb bestimmter Zeiträume zu einem Anstieg des Preisniveaus, was als Preissteigerung oder Inflation bezeichnet wird. Das heißt, dass man für festgesetzte Geldeinheiten weniger kaufen kann als früher. 

Beispiel: Wir gehen von einem Zeitraum über 30 Jahre bis zum Lebensjahr von 80 Jahren aus. Die durchschnittliche Inflationsrate zwischen den Jahren 1979 bis 2020 lag bei 2,2 Prozent pro Jahr. Die Summe beträgt in unserem Beispiel 1.000.000 Euro. Nach 30 Jahren liegt die künftige Kaufkraft nur noch bei um die 520.000 Euro. Das heißt, dass die Kaufkraft nur noch etwas mehr als die Hälfte beträgt, obwohl kein Geld ausgegeben wurde. 

2. Problem: Der Aktienmarkt schwankt

Eine Möglichkeit, um der Inflation entgegenzuwirken, bietet das Investieren an der Börse. Dafür sind beispielsweise ETFs wie der „Vanguard FTSE All-World UCITS ETF“ beliebt. Dieser ist weltweit investiert und breit aufgestellt, mit über 3.800 globalen Unternehmen. Es sind beispielsweise Aktien aus den USA, China, Japan oder Frankreich enthalten. 

Selbst mit einem ETF, der so breit gestreut ist, müssen starke Schwankungen verkraftet werden. Nehmen wir die beispielhafte 1.000.000 Millionen Euro. Wäre die Summe am 14.02.2020 in den oben genannten ETF investiert worden, hätte das innerhalb eines Monats einen Kursverlust von 29 Prozent ergeben. Umgerechnet hätte das einen Verlust von 290.000 Euro bedeutet. 2 Jahre später wäre das Pandemie-Tief überwunden gewesen und das Depot hätte sich um 483.000 Euro auf insgesamt 1.194.000 Euro erholt. 

Ob die Schwankungen leicht überstanden werden können, ist Charaktersache. Manche haben keine Probleme damit, ein Tief auszusitzen. Andere dagegen geraten in Panik und verkaufen ihre restlichen Anteile mit Verlusten. 

3. Problem: Wie lange brauche ich das Geld?

Es ist unmöglich vorherzusagen, wie lange das Geld benötigt wird, da man nicht vorhersagen kann, wie alt man wird. Es kann sein, dass die Million im Zeitraum von 50 bis 80 Jahren reicht, aber nicht bis 90 Jahre. 

Dafür wäre es gut zu wissen, wie viel man maximal seinem Vermögen entnehmen kann, ohne dass das Geld einem ausgehen wird. Hierbei hilfreich ist die sogenannte 4 Prozent Regel, die folgendes besagt:

Achtung:

Wenn das 25-fache der jährlichen Ausgaben im Aktienmarkt investiert sind, können jedes Jahr 4 Prozent entnommen werden, ohne dass das Geld einem ausgehen wird. Auf 4 Prozent wird Bezug genommen, da man von einer durchschnittlichen Rendite von 7 Prozent ausgeht, wovon 2 bis 3 Prozent aufgrund der Inflation abgezogen werden.

Umgerechnet wären das 40.000 Euro pro Jahr, die aus dem Depot entnommen werden können. Nicht zu unterschätzen sind die Steuern, die zusätzlich anfallen und bei der Rechnung vereinfacht auf 25 Prozent gesetzt werden. Zum Leben würden anschließend insgesamt 30.000 Euro bleiben, was monatlich eine Rente von 2.500 Euro ergibt. Ob das zum Leben ausreicht, ist individuell, da unterschiedliche Aspekte Einfluss nehmen.

Welche Faktoren Einfluss nehmen

  • Einer der wichtigsten Punkte ist der jeweilige Lifestyle. Manchen reicht eine kleine Wohnung, andere wünschen sich ein großes Haus. Unterschiede machen auch Urlaube, welche Länder besucht werden und wie häufig. Auch Hobbys können preislich stark variieren. Zusätzlich unterstützen viele im Alter ihre Kinder oder Enkelkinder. 
  • Zusätzlich zu beachten ist der Anteil des Geldes, der am Aktienmarkt investiert ist. Die 4 Prozent Regel funktioniert nur, wenn das gesamte Vermögen an der Börse angelegt ist.  Manche fühlen sich nicht wohl damit und schichten ihr Geld so um, dass beispielsweise nur 20 Prozent investiert sind und 80 Prozent auf dem Tagesgeldkonto liegen. Dieses Geld ist nicht vor der Inflation geschützt und wird schneller entwertet. 
  • Ein weiterer Aspekt sind die Lebenshaltungskosten, die sich je nach Wohnregion unterscheiden. Die Schweiz gilt dabei als Beispiel für ein teures Land. Hier wird grundsätzlich mehr Geld ausgegeben für Lebensmittel und Miete. In München wird pro Quadratmeter 20,78 Euro gezahlt, in Leipzig dagegen 8,25 Euro. 
  • Sehr unterschiedlich sind auch die Einkommenshöhen und deren Einfluss. Wer beispielsweise nach dem Erreichen der 1.000.000 Euro zwar den Job kündigt, aber sich selbstständig macht und weiterhin arbeitet, ist in einer anderen Ausgangslage. Auch für Beamte, die neben dem investierten Vermögen eine staatliche Rente beziehen, gelten andere Rechnungen. Nebenjobs sind Chancen, zusätzlich Geld zu verdienen, um das Vermögen weiter zu erhöhen. 

Welche Alternativen zu Aktien gibt es?

Investiert werden kann beispielsweise auch in Immobilien, wodurch durch Mieten ein zusätzlicher Cashflow generiert werden kann. Der Vorteil ist der Hebeleffekt, da das Kapital für das Haus nicht vollständig selbst gestemmt werden muss. Es ist möglich, sich bei Banken Geld zu leihen und durch Kredite ein Haus zu finanzieren. 

Mit 1.000.000 Millionen Euro ist es beispielsweise möglich, nicht nur ein Haus zu kaufen, sondern vier Immobilien zu je 250.000 Euro. Durch das Vermieten der Häuser ist eine weitere regelmäßige Einkommensquelle gesichert.

Generell gibt es bei Immobilien viele Faktoren, die darüber entscheiden, ob sie ein gutes Investment sind oder nicht. Käufer brauchen viel Wissen, um die Zukunft einer Immobilie realistisch einschätzen zu können. Zusätzlich wird eine Person gebraucht, die die Verwaltung der Objekte übernimmt, was zeitaufwändiger ist als in Aktien zu investieren.

Fazit: Individuelle Aspekte nehmen Einfluss

Es kann nicht pauschal beantwortet werden, ob 1.000.000 Euro zum Leben reichen. Individuelle Aspekte wie der Lifestyle, Anteil des investierten Geldes, Einkommenshöhe und Lebenshaltungskosten können die jeweilige Situation verändern. 

Es ist möglich, sich mit 1.000.000 Millionen Euro vom Arbeitsleben zu verabschieden, wenn beispielsweise auf die 4 Prozent Regel geachtet wird und die Person ihren Lifestyle dementsprechend anpasst. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Einige der Faktoren, wie die Konsumausgaben, können wir beeinflussen. Andere Einflüsse, wie die Schwankungen des Aktienmarktes und die Inflation, können nicht vorhergesagt werden. 

Fest steht: Wer früh mit dem Investieren beginnt und sich finanziell weiterbildet, kann seine Rente erheblich aufstocken.

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