Das verlorene Jahrzehnt wird eine Generation verändern! (2022-2032)

Das verlorene Jahrzehnt wird eine Generation verändern! (2022-2032)

Die großen Investoren und Experten unserer Zeit sprechen über die kommenden Jahre als „verlorenes Jahrzehnt“ am Aktienmarkt. Sie alle sind sich einig, dass es künftig geringere Renditen geben wird. Hier erfährst du, welche Renditen die bekanntesten Investoren derzeit schätzen und welche drei Kriterien ein solches verlorenes Jahrzehnt für Investoren verhindern könnten. 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zahlreiche Experten wie Buffett, Bogle, Munger und Dalio sagen schlechte Renditen fürs nächste Jahrzehnt hervor
  • 3 wichtige Kriterien könnten ein solches verlorenes Jahrzehnt aufhalten
  • Setze auf eine bestimmte Art von Aktien, um auch in Zeiten schlechter Wirtschaft gute Rendite zu erzielen

Buffett sagte „verlorenes Jahrzehnt“ voraus

Um die derzeitigen Entwicklungen der Wirtschaft zu verstehen, gehen wir zurück ins Jahr 1999. Im Juli desselben Jahres sagte der größte Investor aller Zeiten, Warren Buffett, ein verlorenes Jahrzehnt am Aktienmarkt richtig voraus. 

Er sagte, dass in den nächsten 17 Jahren die wahrscheinlichste Rendite, kombiniert aus Kurszuwachs und Dividenden, real 4 Prozent wären. Sollten diese 4 Prozent nicht eintreffen, geht er davon aus, dass die Renditen sogar noch niedriger sein werden. 

Achtung:

Der Grund für Buffetts Annahme war simpel: Er sah, dass der Aktienmarkt viel zu hoch bewertet war. Seine Annahme eines überteuerten Aktienmarkts begründet er mit einem Blick in die Vergangenheit. Dabei hilft ein Blick auf zwei sehr unterschiedliche Zeitperioden.

Sehen wir uns hierzu den historischen Chart des S&P 500 an. Die erste Periode beginnt im Jahr 1965 und endet 1978. Während dieser Zeit tanzen die Gewinne des S&P durchgehend auf der 0-Linie, mit 0,1 Prozent Rendite in diesem Zeitraum. Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt dagegen wuchs um starke 9,3 Prozent pro Jahr an. Somit gab es trotz steigender Unternehmensgewinne 13 magere Jahre, ein verlorenes Jahrzehnt.

  • Anschließend folgte der Zeitraum vom Jahr 1978 bis Mitte 2000. 
  • Obwohl die Wirtschaft in dieser Zeit von drei Rezessionen getroffen wurde, waren es 22 Jahre mit außergewöhnlichen Renditen von durchschnittlich über 13 Prozent pro Jahr, obwohl das BIP der USA nur um 7 Prozent anwuchs.
  • Diese erfolgreichen Jahre am Aktienmarkt werden auch „Boomer Bullenmarkt“ genannt. Sie leiteten ein weiteres verlorenes Jahrzehnt in den 2000ern am Aktienmarkt ein. 
  • Kurz vorher warnte schon Buffett vor einer schwierigen Zeit am Aktienmarkt anhand von 3 Kriterien. 

So warnte Jack Bogle

Die älteste Prognose stammt von dem Investor Jack Bogle aus dem Jahr 2017. In einem Interview sagte Bogle, dass es unter den Experten ziemlich klar zu sein scheint, dass wir in eine Ära mit deutlich schwächeren Renditen kommen, als wir es aus der Vergangenheit gewohnt sind. 

Er sagte, keiner wisse, wie sich diese Zeit auswirken würde. Der Markt sei derzeit erheblich überbewertet. Wenn diese Annahme stimmt, können nur zwei Dinge passieren:

  • Eine lange Periode mit sehr niedrigen Renditen
  • Ein großer Markt-Crash um 30, 40 oder sogar 50 Prozent

Erst danach könnten wir zu den hohen Renditen der guten, alten Zeit zurückkehren. Allerdings sei so ein Abschwung, in dem die Renditen niedriger sind als in den letzten 35 Jahren, fast unvermeidlich. In den letzten Jahrzehnten hatten wir den größten Bullenmarkt in der Geschichte. Eine Lehre für Bogle war, dass Bäume nicht in den Himmel wachsen können. 

Achtung:

Jack Bogle geht davon aus, dass auf eine Phase mit außergewöhnlichen Renditen immer eine Phase mit schwachen Renditen folgt. Dieses statistische Phänomen ist die sogenannte Regression zur Mitte. Jack Bogle beschreibt sie folgendermaßen: „Eine Art Gravitationsgesetz an der Börse, durch das Renditen im Laufe der Zeit auf mysteriöse Weise an die Norm angezogen werden.“ Anders gesagt: Was hoch geht, muss auch wieder runterkommen und was unten ist, wird auch irgendwann wieder nach oben gehen.

Im weiteren Verlauf des Interviews enthüllt Bogle seine Methode, wie er in der Lage ist, die zukünftigen Renditen am Aktienmarkt einzuschätzen und welche Rendite er im Zeitraum von 2017-2027 für realistisch hält. Wichtig dafür sind die heutige Dividendenrendite und das Gewinnwachstum, welches in der Zukunft erzielt wird. Dafür teilt er die Marktrendite in zwei Quellen auf:

  • Investitionsrendite: Das Gewinnwachstum liegt im Durchschnitt bei 5 Prozent und kann bis zu 7 Prozent steigen. Viel höher kann es eigentlich nicht sein. Solange wir keine Depression bekommen, wird es nicht niedriger als 2 Prozent sein. Bei diesem Punkt gibt es also nicht viel Spielraum für Abweichungen. Bogles Schätzung liegt bei einer Investmentrendite von 6 Prozent. 
  • Spekulationsrendite: Die spekulative Rendite ist der problematischere Teil. Diese hängt mit den Bewertungen am Aktienmarkt zusammen, die leicht an den Veränderungen des Kurs-Gewinn-Verhältnisses gemessen werden kann. Wenn der KGV in einem Jahrzehnt von 10 auf 20 steigt, sind das zusätzliche 7 Prozent Rendite pro Jahr. Das war der Fall in den 80er und 90er Jahren. Laut Bogle werden wir das nicht wieder bekommen, da KGVs von 10 auf 20 und auf 40 steigen können, aber nicht auf 80. Das KGV beträgt derzeit etwa 25. Wenn es auf 18 fällt und wir die 6 Prozent Investitionsrendite nehmen, müssen 2 Prozentpunkte für den Rückgang der Bewertungen abgezogen werden. Das wären in den nächsten Jahren eine Rendite von etwa 4 Prozent, die Bogle für realistisch hält. 

Achtung:

Jack Bogle vermutet also eine jährliche Rendite von 4 Prozent im Zeitraum von 2017 bis 2027. Der Aktienmarkt, insbesondere der S&P 500, ist seit November 2017 deutlich gestiegen. Somit können wir uns laut Bogles Aussagen auf deutlich niedrigere Renditen einstellen.

Rechnen wir mit 4 Prozent pro Jahr, ausgehend vom November 2017, dann müsste der S&P 500 im Jahr 2027 mit Dividenden bei 7411 Punkten stehen. Das Problem: Aktuell im Jahr 2022 stehen wir bei knapp 8000 Punkten. Laut Bogle ist so also keine Rendite für die nächsten Jahre mehr übrig, es sei denn, die Überbewertung der Aktien nimmt weiter zu. 

Warum auch Charlie Munger Warnungen aussprach

Im Dezember 2020 äußerte sich auch Charlie Munger zu dieser Thematik. Zu dieser Zeit stand der S&P 500 fast genau wie heute bei ca. 3700 Punkten. In einem Interview gab er bekannt, dass seiner Meinung nach die Renditen sinken werden. 

Gut zu wissen:

Ein Grund dafür sind laut Munger neue Leute, die im Jahr 2020 durch die Neonbroker an die Aktienmärkte gekommen sind. Munger bezog sich auf die amerikanische Trading-App Robinhood, die insbesondere junge Leute anzieht. Und immer, wenn sich der Aktienmarkt wie ein Casino anfühlt, ist es Zeit, die eigenen Investmententscheidungen zu hinterfragen. Dazu gehört auch der Grund, weshalb du investierst: Aus Emotionen heraus, der Angst, etwas zu verpassen oder verhältst dich rational und nutzt gute Gelegenheiten aus, wie deiner Meinung nach unterbewertete Aktien?

So warnte Ray Dalio

Erst vor wenigen Monaten äußerte sich auch Ray Dalio zu den Renditen in den kommenden 10 Jahren. Die Struktur der Märkte und die Preise werden dem Anleger eine Rendite von um die 4 Prozent bescheren. Das wird eventuell nicht einmal die Inflation ausgleichen. Anschließend müssen auch noch Steuern gezahlt werden. 

Man kann sehen, dass sich die Aussagen von Dalio ähnlich pessimistisch anhören wie die von Munger und Bogle. Selbst wenn es Renditen in Höhe von 4 Prozent pro Jahr bis 2032 geben wird, könnten Investoren real mit 0 Prozent nach Hause gehen. Der Grund liegt laut Dalio in der Inflation und den Steuern, die den Gewinn praktisch auffressen könnten. 

Gut zu wissen:

Dalio äußerte sich ebenfalls dazu, was die Inflation und die Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank jetzt für Investoren bedeutet. Er sagte, dass die Geldpolitik gestrafft wird und ein Anstieg der Zinssätze zu erkennen ist. Aus diesem Grund konkurrieren alle Vermögenswerte miteinander.

Anleiherenditen sind beispielsweise um etwa 1 Prozent gestiegen. Sämtliche Vermögenswerte müssen sich an die neue Realität anpassen. Vermögenswerte sind bepreist als aktueller Wert der zukünftigen Cashflows, die verdient werden. Das aber bedeutet, wenn der Zinssatz um 1 Prozent steigt, dass alle anderen Vermögenswerte sich daran anpassen müssen. Die früheren Zeiten, in denen man leicht Geld machen konnte und in denen es keine Inflation gab, sind vorbei. 

Laut Dalio ist der Wirtschaftszyklus jetzt an einer neuen Stelle angekommen. Die Zinserhöhungen könnten der Wendepunkt sein und den Start eines verlorenen Jahrzehnts einläuten. Damit ein solches verlorenes Jahrzehnt für Investoren abgewendet werden kann, muss laut Buffett mindestens ein Kriterium von drei Kriterien eintreffen. 

Diese Kriterien könnten ein verlorenes Jahrzehnt aufhalten

Die Unternehmensgewinne müssten stärker ansteigen als in der Vergangenheit. Dadurch würden sich die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Unternehmen nach unten korrigieren. Die Kurse könnten sich auch nach oben an die gestiegenen Gewinne anpassen. 

  • Langfristig ist der Wert eines Unternehmens unweigerlich mit den eigenen Gewinnen verbunden. 
  • Buffett sagt dazu, dass es eine unausweichliche Tatsache ist, dass der Wert eines Vermögenswerts langfristig nicht schneller wachsen kann als seine Gewinne. 
  • Hier stellt sich die Frage, ob es überhaupt realistisch ist, dass in den kommenden 10 Jahren die Unternehmensgewinne stärker wachsen als in der Vergangenheit.

Dazu habe ich mir den historischen Chart der US-Unternehmensgewinne der letzten 40 Jahre angesehen. Im Zeitraum von 1982 bis 2002 wuchsen amerikanische Unternehmensgewinne durchschnittlich um 6,6 Prozent pro Jahr. Von 2002 bis 2022 wuchsen die Gewinne um 7 Prozent pro Jahr.

Zwar ist hier ein leichter Trend nach oben erkennbar, trotzdem ist es für mich schwer vorstellbar, dass Unternehmensgewinne zukünftig um 8,9 oder 10 Prozent pro Jahr ansteigen. Möglich wäre sowas durch Steuererleichterungen für Unternehmen. Allerdings sollte man bedenken, dass viele Großkonzerne Weltmeister im Steuern sparen sind und wenig bis keine Steuern zahlen, wodurch auch dieser Punkt unwahrscheinlich klingt. 

Sinkende Zinssätze

Zinssätze wirken wie die Erdanziehungskraft. Je höher die Zinssätze, desto niedriger die Aktienkurse. Unternehmen haben höhere Zinskosten und kleinere Gewinne. Viele Anleger nutzen bei Zinserhöhungen die Gelegenheit, investieren nicht mehr in Aktien und bevorzugen lieber die vermeintlich sicheren Staatsanleihen. 

Gut zu wissen:

Derzeit können wir wieder den Trend zu steigenden Zinsen sehen. Die Zinserhöhungen werden von der Notenbank genutzt, um die Inflation zu bekämpfen. Deshalb sehe ich hier in den nächsten Jahren keine Trendumkehr, trotzdem kann man sich bei so einem Punkt nie sicher sein.

Deine Investmententscheidungen

Ein weiterer wichtiger Punkt, der für hohe Renditen sorgen kann, bist du selbst. Wenn es dir gelingt, aus den vielen möglichen Unternehmen und Aktien die richtigen rauszusuchen, kannst du auch trotz der schlechteren wirtschaftlichen Lage gute Rendite machen. Gerade in einer Zeit wie dieser, die vor technologischen Neuerungen sprudelt, wie die Blockchain-Technologie, künstliche Intelligenz, Genomsequenzierung, Robotics und Batteriespeicher, hilft folgender Rat von Warren Buffett, der so aktuell ist, wie nie zuvor: 

Achtung:

Der Schlüssel zum Investieren liegt nicht in der Einschätzung, wie stark eine Branche die Gesellschaft beeinflussen wird oder wie stark sie wachsen wird. Stattdessen liegt der eigentliche Punkt in der Bestimmung des Wettbewerbsvorteils eines bestimmten Unternehmens und der Beständigkeit dieses Vorteils. Produkte und Dienstleistungen mit einem breiten, nachhaltigen Burggraben um sich, sind diejenigen, die dem Anleger Gewinne bescheren.

Mein Fazit: Renditen durch sorgfältige Auswahl der richtigen Aktien

Trotz eines verlorenen Jahrzehnts am Aktienmarkt ist es also möglich, Rendite zu erzielen. Hierfür musst du Unternehmen mit großen Burggräben auswählen. Das sind vor allem Unternehmen, die einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz haben. Laut Buffett muss dieser Vorteil langlebig sein. Klassische Unternehmen mit großen Burggräben sind laut Buffett Apple, Coca-Cola oder die Bank of America. 

Nimmt man ein Unternehmen wie Coca-Cola, reicht der Vorteil allerdings nicht aus: Auch der Preis muss stimmen. Wer im November 2000, zur Spitze der Blase Coca-Cola Aktien kaufte, der konnte, ohne Dividenden, bis fast 2015 warten, bis er wieder aus den roten Zahlen war. 15 Jahre sind mehr Zeit als ein verlorenes Jahrzehnt.  

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